Das Thema Ernährung wird in Deutschland immer wichtiger

Mittags wird immer weniger warm gegessen

Den Coffee to go gibt es mittlerweile in jedem Kiosk an der Ecke, doch warum eigentlich? Haben wir keine Zeit mehr uns kurz hinzusetzen um einen Kaffee zu genießen? Nein! Die große Mehrheit der Deutschen isst mittags nicht zu Hause, angefangen bei den Grundschulkindern, über Studenten bis hin zu den 30- bis 50-jährigen essen die allermeisten außer Haus. Erst im Rentenalter wird wieder mehr zu Hause zu Mittag gegessen, doch auch seltener als früher.

Gründe für die kalte Küche mittags sind die hohe Beschäftigungsrate, die steigende Arbeitsmobilität und die Tatsache, dass die Geburt eines Kindes kaum noch zu einer Unterbrechung der Arbeitstätigkeit führt. Der Gesellschaft für Konsumforschung, Gfk, zufolge aßen vor zehn Jahren die meisten der drei bis fünfjährigen Kinder zu Hause. Heute sind es 41 Prozent weniger und bei den 6- bis 9 jährigen sind es 33 Prozent weniger die zu Hause essen.

Somit hat sich das Umfeld, in welchem die Kinder wochentags ihre Nahrung zu sich nehmen von essen mit den Eltern auf essen mit Gleichaltrigen verschoben. Dieser Trend ist in sofern problematisch, als dass Eltern wenig Kontrolle über das Essverhalten ihrer Kinder haben. Mitgegebenes Essen kann getauscht oder entsorgt werden und wenn die Eltern nicht bestimmen können, welches Mittagessen es gibt, können die Kinder in der Mensa oder Schulküche zum einen wählen was sie wollen, zum anderen auch so viel sie wollen.

Des Weiteren fällt mit dem gemeinsamen Mittagessen auch ein gemeinsames Treffen aus, bei dem die Kinder von ihrem Tag und ihren Erlebnissen berichten können. Es muss somit von den Eltern noch stärker darauf geachtet werden, dass dann beim Abendbrot alle beisammen sind und die Familie sich über den Tag austauscht.

Das junge Erwachsene im Alter zwischen 20- und 29 Jahren wenig zu Hause Mittag essen, das war vor zehn Jahren schon so und hat sich seitdem nicht geändert. Viele von ihnen haben keine Zeit und keine Lust sich Mittags etwas zu kochen. Mit zunehmendem Alter ändert sich diese Einstellung zum Essen meist.

Kinder Gesundes Essen

Es wird zunehmend gesünder und vorallem bewusster gegessen

Das Gesundheitsbewusstsein in Deutschland hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Auf den Einkaufslisten stehen vitaminreiche und frische Lebensmittel, welche möglichst frei von Gentechnik sein sollen. Wenn sie auch noch ohne künstliche Aroma- und Farbstoffe sind und als Bio bezeichnet werden können, so fühlen sich die meisten Konsumenten gleich viel besser bei ihrem Einkauf.

Dazu kommen Kriterien wie regionaler Anbau, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. Frisch, regional und Bio, das trifft in etwa den aktuellen Einkaufskorb von 57 Prozent der Deutschen schon ganz gut, doch ein weiteres wichtiges Kriterium kommt laut der Nielsen Studie noch dazu, denn im Moment laute das Motto: Weniger ist mehr. Also je weniger Zucker, Salz, Fett und Kalorien ein Produkt hat, desto besser.. glauben wir. Ob das für unsere Gesundheit nur von Vorteil ist, darüber ist man sich in der Branche uneins.

Wie zuvor bereits erwähnt legen viele Deutsche Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, zumindest in der Theorie. Praktisch scheitert es des Öfteren an den höheren Preisen der regional angebauten und zusatzstofffreien Produkte. 66 Prozent der Konsumenten möchten diese Produkte kaufen, doch nur 46 Prozent sind bereit dafür mehr Geld auszugeben. 

Vegetarisch, Vegan oder doch “nur” Laktose- und Glutenfrei?

Das Thema Essen erreicht neue Höhen in Deutschland, so auch die unterschiedlichen Bezeichnungen für verschiedene Essensstile. Der geläufigste ist nach wie vor der des Vegetariers; um die 7,8 Millionen Menschen verzichten komplett auf Fleisch. Die Steigerung zu den Vegetariern sind die Veganer, sie verzichten ganz und gar auf tierische Produkte. Es gibt um die 900.000 Veganer in Deutschland. Zusätzlich dazu gibt es noch sogenannte Flexitarier, diese schränken ihren Fleischkonsum deutlich ein und interessieren sich ebenfalls stark für vegetarische und vegane Produkte.

Mann Mit Gesundem Einkaufskorb

Nielson.com bezeichnet das Thema Ernährung mittlerweile als “Glaubensfrage”, die verschiedenen “kulinarischen Empfindlichkeiten” würden mittlerweile genutzt werden, um sich zu individualisieren und entstünden nicht nur noch aus Gründen von Allergien und Nahrungsmittelintoleranzen.

Die Lebensmittelindustrie hat lukrative Nischen erkannt und bietet immer mehr Produkte an, die für Vegetarier und oder Veganer geeignet sind. Nischenführer sind hier eindeutig die Markenprodukte, sie bringen 89 Prozent des Umsatzes in dem Segment. Die anderen 11 Prozent fallen auf Eigenmarken der verschiedenen Supermärkte, Drogerien etc.

Viele junge Menschen und vor allem einkommensstarke Haushalte beschäftigen sich intensiv mit vegetarischen Handelsprodukten. Eine entscheidende Rolle spielt bei den Verbrauchern das Wohl der Tiere. 40 Prozent der Befragten (eine Studie von ipsos) gaben an, dass sie bei Handelsmarken das Gefühl hättten, dass das Tierwohl zu wenig beachtet würde. Für bessere Haltungsbedingungen der Tiere wären 60 Prozent der Verbraucher bereit, mehr Geld zu bezahlen. Eine Preiserhöhung könnte dazu führen, dass sich nicht mehr jeder Fleisch leisten kann zum anderen sind immernoch ganze 40 Prozent der Verbraucher nicht dazu bereit mehr für Fleisch zu zahlen, auch wenn es den Tieren zu Gute kommen würde. Es ist ein schwieriges Thema...

Man ist was man isst

Viele Deutsche beschäftigen sich auch mit dem vegetarischen und veganen Lebensstil, weil sie nach neuen, leckeren Möglichkeiten suchen, ein paar Kilos loszuwerden. Nielsen.com zufolge klagen 58 Prozent der deutschen Befragten über überflüssige Pfunde. Damit lägen sie über dem Europäischen Durchschnitt, dem zufolge sich 52 Prozent der Menschen zu dick fühlen würden. Nur jeder dritte sei mit seinem Gewicht zufrieden.

Die populärste Abnehmstrategie bei uns in Deutschland ist die Ernährungsumstellung. Ganz oben steht der Verzicht auf Süßigkeiten, sie sind als Dickmacher verpöhnt und werden deshalb als erstes auf die Liste der Lebensmittel gesetzt auf welche verzichtet werden muss. Der Ernährungsumstellung wird oftmals begleitet von Sport und Bewegung im Kampf gegen die Kilos. Tabletten,Riegel, Pulver oder Shakes finden nur wenig Gefallen, lediglich 7 Prozent der Befragten.

In Deutschland wird beim abnehmen mehr auf Fett verzichtet als im europäischen Vergleich, auch die sogenannte Low-Carb Ernährung ist auf dem Vormarsch. Hier wird bewusst auf Kohlenhydrate während des Essens verzichtet oder darauf geachtet dass nur wenig Kohlenhydrate enthalten sind. Unsere europäischen Nachbarn haben beim Abnehmen eher die Devise “ weniger ist mehr”. Sie nehmen die üblichen Mahlzeiten zu sich, nur in kleineren Mengen.

Zusammenfassen lässt sich das komplexe Thema des Essens nicht, ob nun Veganer, Vegetarier, Flexitarier oder “ganz normaler Esser”, jeder sollte auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten und sich zusätzlich regelmäßig bewegen.

 Essenskreis