Digitale Demenz - Wie die Medien unsere Konzentrationsfähigkeit mindern

Der Brockhaus definiert die Konzentration folgendermaßen: “die Zentrierung seelischen Geschehens; speziell die bewusste Steigerung der Aufmerksamkeit und ihre Bindung an ein vorgegebenes Ziel”. Friedrich Nietzsche bezeichnet die Langeweile als “eine unangenehme Windstille, welche der glücklichen Fahrt und den lustigen Winden voran geht.”

Die Langeweile

Schon Immanuel Kant beschäftigte sich mit der Langeweile, er beschreibt sie als “Leere an Empfindungen” und vergleicht das Gefühl mit dem “Vorgefühl eines langsamen Todes”. Ein dänischer Philosoph namens Søren Kierkegaard bezeichnet Langeweile als “Ursprung alles Übels”. Unumstritten ist das Gefühl der Langeweile ein unangenehmes und verhasstes, was erklärt, warum gelangweilte Menschen häufiger depressiv sind. Wer das Gefühl hat, ein unerfülltes Leben zu leben rauche und trinke mehr, wechsle öfter die Partner und sei anfälliger für Straftaten so Birgit Herden, Autorin der Zeit Online. 

Langeweile entsteht nicht nur bei Unterforderung sondern auch bei Überforderung, werden wir von dem Gefühl des “Flow” abgebracht, welcher sich durch ein müheloses Arbeiten und eine Forderung im richtigen Maße definiert, so empfinden wir schnell Langeweile. Martin Doehlemann sagt, der Mensch ist wohl das einzige Wesen, welches nicht nur situative sondern auch existenzielle Langeweile empfinden kann. Langweilen Tiere sich nur in der aktuellen Situation, so können Menschen das Gefühl haben, sie wüssten nicht, was sie mit sich und der Welt anfangen sollen. Es sei “eine Art von Gefühlsparadoxie: ein leeres Sehnen, ein zielloses Streben”.

Die Menschen suchen nach dem Kick des Dopamins, welches vom Nucleus accumbens, dem Belohnungszentrum des Gehirns ausgeschüttet wird, wenn wir (neuen) Reizen ausgesetzt werden. Abenteuerlustigen Menschen wird schneller langweilig, da sie einen stärkeren Dopamin Kick bekommen als andere, ebbt dieser ab, suchen Sie neue Herausforderungen für den nächsten Dopamin-Schub.

Langeweile soll Kindern helfen, kreativer zu werden

Kind Langweilt Sich

Linda Caldwell von der Penn State University sagt, dass der Mensch erst lernen muss, welche Dinge ihn wirklich fesseln und interessieren. Kinder müssten ein Bewusstsein für die eigene Langeweile entwickeln, um Interessen zu entdecken und diese dann aktiv zu verfolgen. “Echte Interessen zeichnen sich dadurch aus, dass sie uns lebendig machen, uns nicht so schnell wieder loslassen, dass wir aktiv werden und nicht nur konsumieren”.

Die Konzentration

In verschiedenen Studien fand Psychologin Gloria Mark von der University of California heraus, dass Arbeitnehmer im Schnitt alle 11 Minuten etwas Neues anfangen. Sie untersuchte eine Firma für Unternehmensberatung und stellte fest, dass 57 Prozent aller begonnenen Arbeitsvorgänge nicht zu Ende geführt wurden. Die Hälfte der Vorgänge wurde durch Anrufe, Kollegen oder E-Mails unterbrochen, die andere Hälfte geriet ohne erkennbaren Grund in Vergessenheit.

Doch nicht nur im Job werden wir schnell abgelenkt, auch zu Hause werden mehrere Dinge gleichzeitig gemacht. Man sitzt nicht mehr nur vor dem Fernseher, sondern man hat noch das Smartphone oder Tablet parat, um im Internet zu shoppen, den nächsten Urlaub zu buchen oder man ist gerade dabei Online-Umfragen zu beantworten. Doch nicht nur online geht es drunter und drüber auch offline sind wir selten bei der Sache. Man geht in den Keller und unten angekommen weiß man nicht mehr, was man dort eigentlich wollte, weil wir mit den Gedanken bereits wieder woanders sind.

Wir schweifen mit den Gedanken öfter ab als es uns bewusst ist, diese Gedankenstreifzüge machen uns aber eher unglücklich, auch wenn sie schöne Tagträume ist. Die Forscher Matthew Killingsworth and Daniel Gilbert von der Harvard University stellten fest: “Für die Fähigkeit, über das nachzudenken, was gerade nicht passiert, zahlen wir einen emotionalen Preis."

Mann Arbeit Konzentration

Warum fällt es uns so schwer uns zu konzentrieren?

Der amerikanische Neurowissenschaftler Daniel Levitin beschreibt in seinem Buch “The Organized Mind”, was biochemisch betrachtet in uns passiert, wenn wir versuchen, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Wie oben bereits erläutert schüttet unser Gehirn Dopamin aus, wenn neue Reize eintreffen. Dieser Botenstoff sorgt im Belohnungssystem dafür, dass wir uns gut fühlen. Er wird ausgeschüttet, wenn man Sport treibt, Drogen konsumiert, Sex hat, aber auch bei kleinen Impulsen über den Bildschirm unserer digitalen Geräte wie dem Computer. Eine neue WhatsApp Nachricht, ein Like oder Kommentar bei Facebook, ein neuer Tweet bei twitter, all diese Impulse sind “kleine Energiestöße, die unsere Suchtmachinen auf Trab halten” (Judith Donath, ehemalige Leiterin der "Sociable Media Group" am MIT). Dieser stetige Dopaminausstoß hat laut Levitin den Effekt, dass wir uns nicht mehr konzentrieren und permanent auf der Suche nach kleinen Stimuli von außen sind.

Das Phänomen Mind-Wandering

Thomas Metzinger, Professor für Theoretische Philosophie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz ist Spezialist in dem Gebiet der Philosophie des Geistes. Zurzeit forscht er an dem Phänomen des Mind-Wandering. Wir Menschen würden mit einer Menge Krimskrams im Kopf herum laufen, dieser vermenge sich zu einem Hintergrundrauschen aus Bewertungen, kleinen Geschichten und Erinnerungen. Dieses “rauschen” verdecke manchmal das, was gerade wirklich passiert und eigentlich von unserem Gehirn verarbeitet werden müsste.

Mann Am Tagträumen

Laut Metzinger ist das “Gewaber im Kopf” ein “narrativer Zustand des Geistes”. Die Gedanken darüber, was wir für unser eigenes Selbst halten werden durch Planung der Zukunft und die Verknüpfung der Vergangenheit gesteuert. Durch diese Gedanken und Planungen haben wir das Gefühl, dauerhaft dieselbe Person zu sein. Das Gewaber im Kopf was uns nebenbei beschäftigt besteht oft aus aufbrechenden Erinnerungen, wiederkehrenden (traurigen) Gedanken, Schuldgefühlen, Verfehlungen, Tagträumen, sexuellen Fantasien und auch zwanghaftem Planen.

Warum nennen wir es Digitale Demenz?

Eine Umfrage von myMarktforschung ergab, dass jeder siebte der 1.000 Teilnehmer weder seine eigene Telefon- oder Handynummer kennt, noch die vom Lebenspartner, Freunden oder Verwandten. Wir sind es nicht mehr gewohnt uns Dinge merken zu müssen, das Smartphone speichert die Nummern, warum also sollen wir uns die Nummer merken?!

Der renommierte Gehirnforscher Manfred Spitzer sagt, dass die Auslagerung des Denkens auf Maschinen dem Gehirn schadet. Wir geben all die Denkarbeit an die Maschinen ab, Adressen werden ins Navigationssystem eingegeben, diesem wird bedingungslos gefolgt ohne sich selbst den Weg zu merken. Telefonnummern und Geburtstage werden eingetragen und nicht im Kopf gespeichert, das Kopfrechnen wird immer seltener und die Rechtschreibung wird mit Hilfe der Autokorrektur unterstützt. Man muss sich immer weniger selbst anstrengen. Man lernt weniger und somit bilden sich die Gehirnwindungen weniger aus.

Wer also sein Gehirn wenig trainiert und ausgebildet hat, der leidet schneller an Demenzerkrankungen. Dieses wird durch die digitalen Medien noch bestärkt, die Maschinen übernehmen Updates automatisch, erinnern uns an Ereignisse und Termine. Zudem sind wir immer und überall erreichbar hier eine SMS dort eine E-Mail, diese erfordern meist eine sofortige Reaktion. Diese Kontrolle durch Maschinen und andere lässt uns nicht mehr Herr unseres Tuns sein und diese Kontrollabgabe fürht zu Stress. Dieser lässt wiederum Nervenzellen im Gehirn absterben.

Konzentriert bleiben bei der Arbeit im Home-Office

Um bei der Arbeit von zu Hause konzentriert bei der Sache zu bleiben und sich weder durch die eigenen Gedanken noch von Langeweile ablenken zu lassen haben wir eine Liste mit Tipps zur Konzentrationsförderung erstellt.

Frau Kreative Arbeit

1. Ablenkungen erkennen und ausschalten

Wie zuvor bereits erläutert haben wir immer verschiedenste Gedanken, Erinnerungen und ähnliche Dinge im Kopf rumschwirren. Es gilt diesen nicht aktiv gedanklich nachzugehen und sich durch sie nicht ablenken zu lassen. Bereits ein aufgeräumter Schreibtisch und ein ausgeschaltetes Handy helfen sich besser zu konzentrieren und verringern die Anzahl an möglichen Ablenkungen. Auch das E-Mail Postfach muss nicht im 10 Minuten Takt eingesehen werden, wenn man nicht gerade eine sehr sehr wichtige Mail erwartet.

2.Setzen Sie Prioritäten - manchmal hilft es mit dem Schlimmsten anzufangen

Erst wird Sie erst einmal Überwindung kosten, doch haben Sie die schlimmsten Aufgaben am Anfang des Tages bereits erledigt, wird es Ihnen einen zusätzlichen Motivationsschub geben. Auch To-Do-Listen helfen, den Überblick über noch zu Erledigendes zu behalten und Sie können die Punkte nach Wichtigkeit ordnen. Eine Liste mit abgearbeiteten Punkten gibt Ihnen am Ende des Arbeitstages ein gutes Gefühl.

3. Der richtige Arbeitsort

Das Arbeiten im Home-Office bietet verlockende Möglichkeiten an Arbeitsplätzen. Ob in der Küche, auf dem Sofa oder im Bett, all diese Plätze sind verlockender und bequemer als ein Schreibtisch, Doch sie können sowohl die Konzentration als auch die Produktivität stören. Gehen Sie also zurück an Ihren Schreibtisch oder setzen Sie sich in ein Café in Ihrer Nähe um unter Menschen zu kommen und arbeiten Sie dort.

4. Musik ein oder aus?

Es ist individuell zu entscheiden ob man Musik bei der Arbeit hören kann. Telefoniert man viel bei der Arbeit ist Musik unter Umständen störend. Und auch beim Schreiben von langen Texten und dem Durchlesen von wichtigen Dokumenten ist es ratsam die Musik auszuschalten. Möchte man dennoch etwas Hintergrundgeräusche haben, so empfiehlt sich klassische Musik und Songs ohne Gesang.

5. Klären Sie im Team ab, wie mit Unterbrechungen umgegangen werden soll

Um die Produktivität der Kollegen und Mitarbeiter nicht zu beeinträchtigen, sollte sich allgemein darauf geeinigt werden, wie mit Unterbrechungen umgegangen wird. Was tun, wenn das Telefon klingelt, der Kollegen mit Smalltalk beginnt aber man ja eigentlich ganz dringend die E-Mail los schicken müsste usw.

6. Notieren Sie Ihren letzten Gedanken

Manchmal fallen einem die besten Dinge ein, wenn man in Gedanken bei einem ganz anderen Thema ist. Um die neue Idee nicht zu vergessen, schreiben Sie sie schnell auf. So können Sie sich weiterhin auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren und versuchen nicht die ganze Zeit lang krampfhaft die Idee im Hinterkopf zu behalten.