Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Europa

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) und das Statistische Bundesamt haben Ende November die aktuelle Arbeitslosenquote veröffentlicht – diese ist derzeit so niedrig wie zuletzt im November 1991.

Das sollte eigentlich ein Grund zur Freude sein. Wenn einzelne Regionen in Deutschland miteinander verglichen werden, zeigt sich teilweise jedoch ein ganz anderes Bild. Auch im europäischen Umland gibt es viele Entwicklungen, die nicht so positiv wie in der BRD ausgefallen sind.

Wie hat sich der Arbeitsmarkt in Deutschland und Europa nach der Wirtschaftskrise entwickelt? Und was können die Politik und Wirtschaft tun, um die Arbeitslosigkeit dauerhaft zu bekämpfen – auch im Hinblick auf die Erreichung der Agenda Europa 2020?
 

Der deutsche Arbeitsmarkt im Jahr 2015

Laut dem Statistischen Bundesamt Destatis und der BA liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei rund sechs Prozent. Es gibt momentan rund 2,6 Millionen Unbeschäftigte in der Bundesrepublik. Damit ist es der Bundesregierung gelungen, die Arbeitslosigkeit in den letzten zehn Jahren zu halbieren – 2005 lag die Quote noch bei knapp 12 Prozent.

Jedoch werden in dieser Statistik lediglich die Unbeschäftigten nach §16 SGB III erfasst, also nur Personen, die zurzeit in keinem Beschäftigungsverhältnis stehen, sich bei der BA als arbeitslos gemeldet haben und den Vermittlungsbemühungen der BA zur Verfügung stehen. Personen, die Arbeitsförderungsmaßnahmen nach §53 SGB II unterliegen, werden als „im weiteren Sinne arbeitslos“ klassifiziert. Diese sind in dieser Statistik jedoch nicht enthalten.

Dies gilt auch für Personen, die Qualifizierungsmaßnahmen, Umschulungen oder vorruhestandsähnlichen Regelungen unterliegen beziehungsweise kurzfristig Arbeitsunfähig sind. Als „Personen, die weit weg vom Arbeitslosenstatus sind“ werden diejenigen bezeichnet, die zurzeit in Kurzarbeit oder Altersteilzeit beschäftigt sind oder in ihrer Selbstständigkeit gefördert werden. Laut der BA sind diese Personen nicht unter dem Begriff „arbeitslos“ erfasst, sondern unter dem Begriff „Unterbeschäftigung“.

Demnach gibt es in Deutschland derzeit fast 3,5 Millionen Personen, die keinem Beschäftigungsverhältnis unterliegen beziehungsweise in die Kategorie der  Unterbeschäftigung fallen. Das sind rund 7,8 Prozent aller potenziell Erwerbstätigen.

Die deutschen Bundesländer im Vergleich

Anhand dieser Statistiken lässt sich eine positive Entwicklung beobachten. Innerhalb der deutschen Bundesrepublik gibt es jedoch signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern und Regionen sowie den Regionaldirektionen und Agenturbezirken der BA.

Laut Destatis und der BA liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei sechs Prozent. Während in den sogenannten alten Bundesländern die durchschnittliche Arbeitslosenquote rund 5,4 Prozent beträgt, weisen die sogenannten neuen Bundesländer einen Wert von 8,5 Prozent auf.

Ende November 2015 weisen lediglich zwei Bundesländer eine Quote von weniger als vier Prozent auf: das sind Bayern mit 3,3 Prozent und Baden-Württemberg mit 3,6 Prozent. Ebenfalls positiv schneiden die Bundesländer Rheinland-Pfalz (4,8), Hessen (5,1) und Niedersachsen (5,8) ab, die allesamt unterhalb der durchschnittlichen Arbeitslosenquote der Bundesrepublik liegen.

Das nördlichste Bundesland, Schleswig-Holstein, liegt mit einer Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent knapp über dem Bundesdurchschnitt. Das flächenkleinste Saarland kommt auf eine Quote von 6,9 Prozent.
Das einwohnerstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt, die Hansestadt Hamburg kommt auf einen Wert von 7,3 Prozent.

Von allen neuen Bundesländern weist das Land Thüringen den stärksten Wert mit 6,7 Prozent auf und liegt damit 0,8 Prozent unter dem Wert von Sachsen (7,5). Brandenburg kommt auf eine Quote von rund 8,1 Prozent.

Die beiden Stadtstaaten Bremen und Berlin weisen mit 10,5 und 10 Prozent die höchsten Arbeitslosenquoten in ganz Deutschland auf. Diese beiden sind dicht gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 9,8 Prozent und Sachsen-Anhalt mit 9,6 Prozent, die allesamt weit über dem Bundesdurchschnitt und der durchschnittlichen Arbeitslosenquote der neuen Bundesländer liegen.

Die durchschnittliche Jugendarbeitslosigkeit beträgt im Jahr 2015 rund 4,2 Prozent in Westdeutschland und 7,5 Prozent in Osttdeutschland, der gemittelte Wert für die BRD liegt bei 4,7 Prozent. Die Langzeitarbeitslosigkeit in der BRD liegt derzeit bei knapp über zwei Prozent. Das bedeutet, dass rund zwei Prozent aller arbeitssuchenden Deutschen mindestens länger als 12 Monate auf eine Anstellung warten.
Arbeitslosigkeit Nach Bundesland

Deutsche Regionen im Vergleich

Wenn die einzelnen Regionen beziehungsweise Regionaldirektionen (RD) und Agenturbezirke der BA in Deutschland miteinander verglichen werden, könnten die einzelnen Situationen unterschiedlicher nicht sein.
Anhand einer Karte der BA, die Aufschluss über die einzelnen Regionaldirektionen und Agenturbezirke in ganz Deutschland gibt, kann abgelesen werden, dass die Arbeitslosigkeit abgesehen von einigen Ausreißern im Norden und Osten signifikant höher ist als im Süden und Westen der BRD.

Die Regionaldirektion Bayern weist derzeit die niedrigste Arbeitslosenquote mit 3,3 Prozent auf. Von allen 23 Agenturbezirken haben lediglich zwei einen Wert der höher als vier Prozent beträgt: Das sind München mit 4,3 und Nürnberg mit 5,5 Prozent. Der Bezirk Ingolstadt hat eine Arbeitslosenquote von 1,8 Prozent und ist damit nicht nur der Agenturbezirk mit der niedrigsten Arbeitslosenquote in Bayern, sondern auch in ganz Deutschland.

In der RD Baden-Württemberg, die eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent hat, weisen von insgesamt 19 Agenturbezirken 16 eine Quote zwischen 2,9 und 3,9 Prozent auf und liegen damit weit unter der Durchschnittsquote der BRD. Lediglich die drei Bezirke rund um Stuttgart (4,5), Heidelberg (4,3) und Mannheim (5,5) liegen über vier Prozent.

Die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland hat zurzeit eine Arbeitslosenquote von 5,2. Die höchste Arbeitslosenquote weist der Agenturbezirk Saarland mit einem Wert von 6,9 Prozent auf, die verbleibenden neun Agenturbezirke weisen jeweils Quoten auf, die zwischen 3,7 und 6,3 Prozent liegen.

In der RD Hessen (5,1) zeichnet sich ein ähnliches Bild. Die beiden Bezirke Marburg und Bad Hersfeld-Fulda haben die niedrigste Quote von 3,4 Prozent, der Bezirk Frankfurt weist die höchste Quote von 6,4 Prozent auf. Die übrigen neun Bezirke schwanken jeweils zwischen 4,3 und 6,1 Prozent.

Die RD Nordrhein-Westfalen (7,6) hingegen unterscheidet sich stark von den vorherigen Regionaldirektionen. Von allen 28 Bezirken weist lediglich der Bezirk Coesfeld (3,4) eine Quote auf, die unterhalb von vier Prozent liegt. Im Ruhrgebiet hingegen zeichnet sich ein anderes Bild. Insbesondere die Kernbezirke Dortmund (11,9), Essen (11,9), Bochum (10,4), Oberhausen (10) und Duisburg (12,9) liegen jeweils äußerst weit über dem Bundesdurchschnitt und dem Durchschnitt der neuen Bundesländer.
Der Agenturbezirk Duisburg ist mit fast 13 Prozent sogar der Bezirk mit der höchsten Arbeitslosigkeit in ganz Deutschland. Auch die Bezirke rund um Krefeld (8,3), Köln (8,9), Solingen-Wuppertal (9) und Recklinghausen (10,4) haben äußerst hohe Arbeitslosenquoten, die weit über dem Durchschnitt von NRW liegen.

In der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen (6,1) gibt es zwei Bezirke, die deutlich über dem Landesdurchschnitt liegen. Das sind die Bezirke Hannover mit 7,4 Prozent und Bremen/Bremerhaven mit 9,6 Prozent. Der Bezirk Nordhorn hat die geringste Quote mit 3,1 Prozent. Die verbleibenden 13 Bezirke liegen jeweils zwischen 4,3 Prozent und 6,6 Prozent.

In der RD Sachsen-Anhalt-Thüringen zeichnet sich ein etwas anderes Bild. Mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent hat diese RD den zweithöchsten Wert aller Regionaldirektionen in Deutschland. Von insgesamt 14 Bezirken schneidet der Bezirk Suhl mit einer Quote von 4,9 am besten ab, der zweitbeste Bezirk Jena weist bereits einen Wert von 6,3 auf – diese beiden Bezirke sind die einzigen, die unterhalb von sieben Prozent liegen. Während sich elf weitere Bezirke jeweils zwischen 7 und 10,5 Prozent liegen, ist der Bezirk Sangerhausen mit 12,5 Prozent abgeschlagen letzter in seiner RD und liegt weit über dem Durchschnitt aller Regionaldirektionen.

Die elf Agenturbezirke in der RD Sachsen (7,5) sind praktisch zweigeteilt. Während fünf südliche Bezirke eine Quote zwischen 6,3 und 6,6 Prozent aufweisen, ist die Lage in den nördlichen Bezirken etwas schlechter. Die nördlichen Bezirke weisen allesamt Werte zwischen 7,3 und 8,7 Prozent auf. Einzig der Bezirk Chemnitz (8,3) durchbricht dieses Muster.

In der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg - die mit 9,2 Prozent den höchsten Wert aller Regionaldirektionen hat - zeichnet sich ein ähnliches Bild wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt-Thüringen. Von den acht Agenturbezirken hat Potsdam den niedrigsten Wert mit 6,7 Prozent. Von den verbleibenden sieben Bezirken hat lediglich Neuruppin einen Wert, der unterhalb von acht Prozent liegt. Insbesondere in den drei Berliner Bezirken (Nord 9,5, Süd 10,4 und Mitte 10) ist die Arbeitslosigkeit zum Ende des Jahres überdurchschnittlich hoch.

Die letzte der insgesamt zehn Regionaldirektionen, die RD Nord (bestehend aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern), ist dreigeteilt. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote beträgt 7,4 Prozent. Während in fünf westlich gelegenen Bezirken die Quote zwischen 4,4 Prozent und 6,8 Prozent schwankt, weisen vier zentral gelegene Bezirke Werte zwischen 7,8 und 8,5 Prozent auf. Im Bezirk Hamburg liegt die Quote bei 7,1 Prozent. In den drei östlich gelegenen Bezirken schwankt die Arbeitslosenquote zwischen 11,6 und 12,4 Prozent.

Die Karte der BA, die Aufschluss über die einzelnen Regionaldirektionen und Agenturbezirke gibt, finden Sie hier.

Die Entwicklung im europäischen Umland

Aufgrund vieler Reformen hat es der Bundestag geschafft, die Arbeitslosenquote in Deutschland deutlich zu verringern. Die aktuelle Quote ist so niedrig wie zuletzt vor 24 Jahren und hat sich nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 stetig verringert. Das europäische Umland konnte sich jedoch nicht ausschließlich über eine sinkende Arbeitslosigkeit erfreuen. Ein Überblick über die Entwicklung:

Frankreich

Anders als in Deutschland ist ist die Entwicklung in Frankreich nicht positiv. Das südliche Nachbarland hat zurzeit die höchste Arbeitslosenquote seit dem Jahr 1997. Während Frankreich in der Lage war, die Arbeitslosigkeit in den Jahren vor der Wirtschaftskrise 2008 um knapp 1,5 Prozent auf 7,4 Prozent zu senken, ist die Quote in den vergangenen sieben Jahren stetig angestiegen. Zurzeit beträgt die Arbeitslosenquote rund 10,2 Prozent – dass sind rund 2,9 Millionen Menschen, die derzeit keinen Arbeitsplatz haben. Circa vier Prozent aller Arbeitslosen fallen unter die Kategorie der Langzeitarbeitslosigkeit, zudem liegt die Quote der Jugendarbeitslosigkeit bei über 24 Prozent.

Großbritannien

In Großbritannien hingegen ist die Entwicklung positiver. Die Arbeitslosenquote war in den Jahren vor und während der Wirtschaftskrise jeweils angestiegen und lag zwischenzeitlich bei 8,1 Prozent. Jedoch ist es der britischen Regierung gelungen, die Quote kontinuierlich zu verringern. Ende des Jahres 2015 beträgt die Quote knapp 5,4 Prozent – das entspricht rund 1,75 Millionen Menschen ohne Beschäftigungsverhältnis. Zudem liegt die Langzeitarbeitslosigkeit bei rund zwei Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit in Großbritannien liegt derzeit bei rund 17 Prozent.

Italien

In Italien war eine gegensätzliche Entwicklung zu beobachten. Zwar war es den Italienern gelungen, die Arbeitslosenquote zwischen 2004 und 2007 um rund zwei Prozent auf insgesamt sechs Prozent zu verringern. Nach der Wirtschaftskrise ist diese Quote jedoch bis ins Jahr 2014 stetig angestiegen. Während die Arbeitslosigkeit im Jahr 2010 noch bei rund 8,4 Prozent lag, betrug diese im Jahr 2014 schon 12,7 Prozent – mit circa 3,5 Millionen offiziell aufgeführten Menschen ohne Beschäftigungsverhältnis und mehr als 14 Millionen, die als sogenannte Inaktive dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Ende des Jahres 2015 beträgt die Arbeitslosenquote rund 12,2 Prozent, für das kommende Jahr wird ein leichter Rückgang auf circa 11,8 Prozent erwartet. Nichtsdestotrotz hat Italien mit einer hohen Langzeitarbeitslosigkeit (ca. acht Prozent) und einer überdurchschnittlich hohen Jugendarbeitslosigkeit (ca. 42 Prozent) zu kämpfen.

Niederlande

Auch in den Niederlanden ist die Entwicklung nicht ausschließlich positiv. Ähnlich wie in Italien war es der niederländischen Regierung gelungen, die Arbeitslosigkeit in den Jahren vor der Wirtschaftskrise von 5,9 Prozent auf circa 3,7 Prozent zu verringern. Nichtsdestotrotz ist die Quote bis in das Jahr 2014 bis auf 7,4 Prozent angestiegen. Ende 2015 liegt die Arbeitslosenquote bei rund 6,9 Prozent – das entspricht rund 616.000 Menschen, die derzeit ohne Anstellung sind. Knapp die Hälfte (ca. drei Prozent) davon haben mit Langzeitarbeitslosigkeit zu kämpfen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt derzeit bei rund 22 Prozent.

Schweden

In Schweden war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Die Arbeitslosenquote konnte kurz vor Ausbruch der Wirtschaftskrise von 7,7 Prozent in 2005 auf 6,2 in 2008 gesenkt werden. Nach einem starken Anstieg betrug die Quote jedoch bereits im Jahr 2010 8,6 Prozent und konnte seitdem nur geringfügig gesenkt werden. Die aktuelle Quote am Ende des Jahres 2015 beträgt 7,9 Prozent – das entspricht rund 411.000 Arbeitslosen. Die Langzeitarbeitslosigkeit in Schweden liegt bei circa 1,7 Prozent. Damit hat Schweden zusammen mit Österreich hinter Island und Norwegen die geringste Langzeitarbeitslosigkeit aller europäischen Staaten. Die Jugendarbeitslosigkeit in Schweden liegt derzeit bei rund 20 Prozent.

Spanien

In Spanien war die Entwicklung seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise äußerst negativ. Obwohl die spanische Regierung in der Lage war, die Arbeitslosenquote zwischen 2004 und 2007 von fast elf Prozent auf knapp 8,2 Prozent zu senken, hatte die Wirtschaftskrise einen enormen Einfluss auf die weitere Entwicklung. Ende des Jahres 2008 stieg die Quote um drei Prozent von 8,2 auf 11,2 Prozent. 2009 lag sie bereits bei 17,9 Prozent. Auch in den folgenden Jahren stieg die Quote unaufhaltsam, der Höchstwert von 26 Prozent wurde im Jahr 2013 erreicht. Seitdem war es der Regierung gelungen, die Quote schrittweise zu verringern. Ende des Jahres 2015 beträgt die Quote rund 22,5 Prozent. Das entspricht fast fünf Millionen Menschen, die in keinem festen Beschäftigungsverhältnis stehen. Besorgniserregend ist zudem auch die Langzeitarbeitslosigkeit in Spanien. Diese liegt bei rund 13 Prozent und ist in lediglich zwei europäischen Ländern höher: Griechenland liegt bei rund 19 Prozent, Mazedonien bei rund 23 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Spanien bei über 53 Prozent.

Griechenland

Im Jahr 2004 betrug die Arbeitslosenquote in Griechenland rund 10,6 Prozent, bis in das Jahr 2008 konnte diese Quote bis auf 7,8 Prozent verringert werden. Im Jahr 2009 betrug die Quote jedoch bereits schon wieder 9,6 Prozent. Zwei Jahre später war die Arbeitslosenquote schon fast doppelt so hoch (17,9 Prozent in 2011). Im Jahr 2013 wurde der vorläufige Höchststand von 27,5 Prozent erreicht. Bis zum Ende des Jahres 2015 konnte die Quote um 2,7 Prozent auf insgesamt 24,8 Prozent verringert werden – das entspricht rund 1,1 Millionen Griechen, die derzeit arbeitssuchend sind. Die Langzeitarbeitslosigkeit liegt bei 19 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei rund 49 Prozent – der negative Höchstwert aller europäischen Staaten.
Arbeitslosigkeit Im Europ . Umland
Neben den bereits genannten Staaten, die zu den wichtigsten und einflussreichsten auf dem europäischen Kontinent zählen und oft in den Medien genannt wurden, hat sich die Arbeitslosigkeit auch in anderen europäischen Staaten verändert.
Die signifikantesten Entwicklungen, von positiver und negativer Natur, sind in den kommenden zwei Abschnitten aufgeführt.

Positive Entwicklungen in Europa

Während viele der großen europäischen Nationen Probleme beim Thema Arbeitslosigkeit hatten, gab es gerade in vielen kleineren Staaten durchaus positive Entwicklungen. Ein Überblick:

Estland

Im Jahr 2004 betrug die Arbeitslosenquote in Estland rund 10,1 Prozent. Bis zum Jahr 2007 war es der Regierung gelungen, diese Quote auf 4,6 Prozent zu reduzieren. Nachdem die Quote im Jahr 2008 wieder um 0,9 Prozent gestiegen war, begann die negative Entwicklung. Im Jahr 2009 stieg die Arbeitslosigkeit auf 13,5 Prozent, Ende 2010 lag sie schon bei 16,7 Prozent. Seitdem konnte die Quote jedoch Jahr für Jahr verringert werden. Ende des Jahres 2015 lag diese erstmals seit 2005 unterhalb von sieben Prozent. Für das kommende Jahr wird eine Arbeitslosenquote von rund 6,5 Prozent erwartet. Derzeit sind rund 41.000 Menschen ohne Arbeit. Die Langzeitarbeitslosigkeit liegt derzeit bei rund 3,5 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei circa 15 Prozent.

Lettland

In Lettland lässt sich eine ähnliche Entwicklung feststellen. Zwischen 2004 und 2007 wurde die Arbeitslosenquote um vier Prozent auf insgesamt sechs Prozent reduziert. Im Jahr 2009 stieg sie auf knapp 17 Prozent und Ende 2010 auf 18,7 Prozent. Ende des Jahres 2015 konnte die Quote jedoch wieder auf rund 10 Prozent reduziert werden – das entspricht rund 99.000 arbeitssuchenden Menschen. Für das kommende Jahr wird eine Quote von 9,5 Prozent erwartet. Die Langzeitarbeitslosigkeit liegt bei rund vier Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei knapp 20 Prozent.

Litauen

Das gleiche Bild zeigt sich auch in Litauen. Zwischen 2004 und 2007 konnte die Arbeitslosenquote von 11,4 auf 4,3 Prozent reduziert werden. Ab 2008 verschlechterte sie sich jedoch wieder. Zwischenzeitlich lag die Arbeitslosenquote bei über 17,8 Prozent (2010), jedoch zeigte sich seitdem eine positive Entwicklung und die Quote konnte Jahr für Jahr um rund zwei Prozent verringert werden. Im Jahr 2015 lag die Quote erstmals seit sechs Jahren unterhalb von zehn Prozent (9,5 Prozent – circa 131.000 Menschen). Für das kommende Jahr wird eine Arbeitslosenquote von rund 8,6 Prozent erwartet. Wie auch im Nachbarland Lettland beträgt die Langzeitarbeitslosigkeit bei circa vier Prozent, bei der Jugendarbeitslosigkeit schneidet Litauen mit knapp 19 Prozent etwas besser ab.

Tschechien

Auch in Tschechien ist die Entwicklung recht positiv. Die höchste Arbeitslosenquote wurde im Jahr 2004 datiert – 8,3 Prozent. Seitdem schwankte die Quote jeweils zwischen 4,4 und 7,9 Prozent. Seit dem Jahr 2010 lag die Quote jedoch konstant unterhalb von sieben Prozent. 2014 lag die Quote bei rund 6,1 Prozent, Ende des Jahres 2015 liegt diese bei rund 4,7 Prozent. Derzeit sind rund 249.000 Tschechen ohne Beschäftigungsverhältnis. Die Langzeitarbeitslosigkeit liegt bei knapp unter drei Prozent, die derzeitige Jugendarbeitslosigkeit bei rund 16 Prozent.

Island

In Island lag die Arbeitslosenquote zwischen 2004 und 2008 kontinuierlich zwischen zwei und drei Prozent. Zwei Jahre später hatte sie sich mit einem Wert von 7,6 Prozent (2010) mehr als verdoppelt. Seit diesem Höchststand konnte die Quote jedoch stetig verringert werden, sodass die Arbeitslosigkeit Ende des Jahres 2015 bei ca. vier Prozent liegt; auch die Langzeitarbeitslosigkeit liegt unterhalb von einem Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt derzeit bei rund zehn Prozent.

Irland

In den vier Jahren vor Ausbruch der Wirtschaftskrise schwankte die Arbeitslosigkeit in Irland zwischen 4,4 und 4,7 Prozent. Bereits im Jahr 2008 stieg diese Quote um fast zwei Prozent, 2009 betrug sie bereits 12 Prozent. Bis ins Jahr 2012 stieg die Quote bis auf 14,7 Prozent. Jedoch war es der irischen Regierung gelungen, die Quote in den letzten Jahren schrittweise zu verringern. Ende des Jahres 2015 liegt die Arbeitslosenquote in Irland mit rund 9,5 Prozent erstmals seit sechs Jahren wieder unterhalb von 10 Prozent – das entspricht circa 192.000 Arbeitslosen. Die Langzeitarbeitslosigkeit in Irland beträgt rund neun Prozent, die Quote der Jugendarbeitslosigkeit liegt derzeit bei rund 24 Prozent.

Polen

Bereits im Jahr 2004 betrug die Arbeitslosenquote in Polen circa 19 Prozent. Während der Jahre 2005 und 2008 war es der polnischen Regierung jedoch gelungen, die Quote auf insgesamt 7,1 Prozent herabzusenken. Nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise stieg die Quote zwischen 2009 und 2013 auf insgesamt 10,3 Prozent an. Im Jahr 2014 konnte die Quote auf knapp unter neun Prozent reduziert werden, Ende des Jahres 2015 beträgt sie rund acht Prozent mit ca. 1,2 Millionen arbeitssuchenden Menschen. Die Langzeitarbeitslosigkeit in Polen liegt bei rund vier Prozent, die Quote der Jugendarbeitslosigkeit bei derzeit circa 24 Prozent.

Arbeitslosigkeit - Positiv

Negative Entwicklungen in Europa

Neben diesen eher positiven Entwicklungen der Arbeitslosenquote – abgesehen von der äußerst hohen Jugendarbeitslosigkeit - hatten einige europäische Staaten jedoch auch negative Entwicklungen in den letzten Jahren. Besonders auffällig ist hierbei, dass diese Entwicklungen besonders im Süden Europas negativer ausfielen. Ein Überblick:

Zypern

In den Jahren vor der Wirtschaftskrise (2004 bis einschließlich 2008) lag die Arbeitslosenquote in Zypern jeweils zwischen 3,7 und 5,3 Prozent. In den letzten sieben Jahren stieg diese Quote jedoch kontinuierlich um jährlich ein bis drei Prozent. Ende des Jahres 2014 lag sie bei über 16 Prozent. Im Jahr 2015 konnte die Quote auf circa 15,6 Prozent verringert werden. Das entspricht rund 65.000 Zyprioten. Die Langzeitarbeitslosigkeit liegt bei rund acht Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei knapp 36 Prozent.

Kroatien

In Kroatien stieg die Arbeitslosenquote nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise von 8,6 auf insgesamt 17,3 Prozent im Jahr 2014. Ende 2015 beträgt die Quote rund 16,2 Prozent mit rund 295.000 Menschen ohne feste Anstellung. Die Langzeitarbeitslosigkeit liegt bei rund zehn Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit liegt derzeit bei über 45 Prozent.

Serbien

In Serbien war die Entwicklung ähnlich negativ. Zwar konnte die Quote zwischen 2006 und 2008 von 21,7 auf 14,7 Prozent reduziert werden, nach der Wirtschaftskrise sind die Werte jedoch wieder stark angestiegen. Der vorläufige Höchstwert wurde im Jahr 2011 mit rund 24,4 Prozent erreicht, Ende des Jahres 2015 liegt die Arbeitslosigkeit bei rund 18 Prozent – circa 761.000 Serben ohne feste Anstellung. Sowohl die Langzeit- als auch die Jugendarbeitslosigkeit liegen jeweils bei rund 50 Prozent.

Montenegro

Auch in Montenegro war die Entwicklung negativ. Im Jahr 2005 betrug die Arbeitslosenquote 30,3 Prozent. Seitdem konnte die Quote zwar stark verringert werden, jedoch lag sie konstant weit über 19 Prozent. Ende 2015 wurde diese Quote erstmals mit rund 17,5 Prozent unterboten. Damit sind circa 100.000 Montenegriner arbeitssuchend. Ende des Jahres 2010 betrug die Jugendarbeitslosigkeit rund 42 Prozent, die Langzeitarbeitslosigkeit betrug über von 77 Prozent.

Mazedonien

Die Entwicklung der Arbeitslosenquote von Mazedonien war in den vergangenen Jahren zwar durchaus positiv, jedoch sind die Werte nach wie vor erschreckend hoch. Nachdem im Jahr 2005 der vorläufige Höchststand von 37,3 Prozent erreicht wurde, konnte die Quote in den letzten zehn Jahren jeweils kontinuierlich verringert werden. Nichtsdestotrotz beträgt die Arbeitslosenquote Ende des Jahres 2015 rund 27 Prozent. Das ist die höchste Arbeitslosenquote aller europäischen Staaten mit circa 250.000 arbeitssuchenden Mazedoniern. Die Langzeitarbeitslosigkeit liegt bei über 23 Prozent – der negative Höchstwert aller europäischen Länder. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt mehr als 52 Prozent.
Arbeitslosigkeit - Negativ

Die Agenda Europa 2020

Im Jahr 2010 hat die Europäische Kommission (EC) die Agenda Europa 2020 veröffentlicht. Diese Agenda soll bis zum Jahr 2020 erreicht werden und hat insgesamt fünf Kernziele, die in allen Mitgliedstaaten der EU erreicht werden sollen.

Die fünf Kernziele der Agenda sind: der voranschreitenden Verarmung entgegenzuwirken, das Bildungsniveau zu steigern, den Abgasausstoß zu verringern und in Nachhaltigkeit zu investieren, die Investitionen in Forschung und Entwicklung zu erhöhen sowie die Arbeitslosigkeit zu verringern. Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 75 Prozent aller 20-64-jährigen innerhalb der Mitgliedsstaaten in einem festen Beschäftigungsverhältnis stehen.

Angesichts der offiziellen Zahlen, die von der Europäischen Kommission und den statistischen Ämtern der einzelnen Staaten veröffentlicht wurden, ist insbesondere das letztgenannte Ziel der Verringerung der Arbeitslosigkeit denkbar schwierig zu erreichen. Insbesondere die äußerst hohen Quoten der Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit in vielen europäischen Staaten und Mitgliedsstaaten der EU sind große Hürden, um das ambitionierte Ziel der EC zu erreichen. Zumal die Entwicklung in vielen europäischen Ländern in den letzten Jahren nicht umbedingt positiv ausfiel.

Abgesehen von der hohen Anzahl an Arbeitslosen innerhalb der EU (rund 22,5 Millionen – davon ca. 5,6 Millionen zwischen 15 und 25 Jahren), erschwert zudem die Flüchtlingsproblematik die angestrebte Zielerreichung. Behörden schätzen, dass bis zu vier Millionen Menschen nach Europa immigrieren werden.

Damit die Ziele der Agenda Europa 2020 innerhalb der europäischen Mitgliedsstaaten erreicht werden können, sind nicht nur die Politiker der EU und der einzelnen Mitgliedstaaten gefragt, sondern auch die Wirtschaft und die europäischen Unternehmen. Wenn alle Institutionen an einem Strang ziehen und kurzfristige Ziele einer langfristig stabilen und nachhaltigen Entwicklung unterordnen, so hat die Agenda gute Chancen, erfüllt zu werden, damit auch die generelle Situation in Europa verbessert werden kann. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg. Daher müssen Reformen auf europäischer und nationaler Ebene geschaffen werden, damit die Ziele der Agenda 2020 innerhalb der nächsten fünf Jahre auch wirklich erreicht werden können.

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Alle Angaben basieren auf den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis), der Bundesangentur für Arbeit (BA), der Europäischen Kommission, der Statistischen Bundesämtern aller genannten Länder sowie Statista.