Silvester - So feiert Deutschland

Einmal mehr neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Die Planungen zu Silvester laufen auf Hochtouren.

Viele Deutsche möchten das neue Jahr jenseits der Heimat begrüßen. Am beliebtesten ist dabei die Bundeshauptstadt. Beim Online-Reiseanbieter Check24 wurden elf Prozent aller Übernachtungen für die Silvesternacht in Berlin gebucht. Knapp die Hälfte, also fünf Prozent, fuhren nach Paris, um sich das gewaltige Feuerwerk vor dem Eiffelturm zu bewundern.

Platz 3 belegt Hamburg mit 3,9% der Neujahrs-Übernachtungen. Auch das nächste Reiseziel liegt in Europa: 3,4% nahmen sich über Silvester ein Hotel in Prag und freuten sich über die mittelalterliche Kulisse für die Neujahrs-Feuerwerke. Den fünften Rang belegt New York mit 3,3% der Übernachtungen. Laut Airbnb zählen Amsterdam, London, Wien und Berlin an Silvester zu den teuersten Städten innerhalb Europas.

Wer feiert wann?

Echte Reisefanatiker und Silvesterfans könnten ihren Trip zum Jahresende sogar so planen, dass sie das neue Jahr zweimal begrüßen können. Aufgrund der Zeitsverschiebung ändert sich natürlich auch die Uhrzeit des Jahreswechsels. Als erstes feiern die Bewohner des Pazifikstaates Kiribati, wenn die Uhren bei uns gerade einmal 11 Uhr vormittags anzeigen. Auch Australien, Japan, Indien und Russland dürfen vor uns die Korken knallen lassen.

Allerdings sind wir Großbritannien, Südamerika und den USA voraus. Der Pazifik bildet nicht nur den Anfang, sondern auch das Schlusslicht. Am längsten müssen nämlich diejenigen auf das neue Jahr warten, die auf den Samoainseln leben. Wer nun also zweimal feiern möchte, könnte beispielsweise zuerst in Sydney anstoßen und danach nach Hawaii fliegen, um alle Neujahrestraditionen nocheinmal zu begehen.

Silvester1

Ganz klassisch stehen in Deutschland Raclette oder Fondue auf der Speisekarte. Allerdings sind auch Gerichte beliebt, die im Volskglauben Reichtum und Segen versprechen. Darunter fallen beispielsweise Suppen mit Linsen, Bohnen, Erbsen oder Möhren. Traditionell gilt auch das Schwein als Glücksbringer, weshalb in vielen deutschen Haushalten Schweinebraten und Sauerkraut aufgetischt werden.

Der Geldsegen soll vor allem dann gelingen, wenn sich die Tischgäste vor dem Essen soviel Gut und Geld wie Fäden Kraut im Topf für das neue Jahr wünschen. Geflügel zu Silvester ist hingegen verpönt, da das Glück für das neue Jahr davonfliegen könnte. Außerdem gehört für viele der Silvesterkarpfen zum Neujahrsfest dazu.

Das Neue Jahr füllt die Kassen

Diese Trends spiegeln sich auch im Umsatz einiger Branchen wieder. So wird beispielsweise 60% des Jahresumsatzes von deutschen Fischern allein zum Jahresende generiert. Auch Raclette-Käse ist ein Verkaufsschlager zu Silvester, da die Hälfte aller Verkäufe in Deutschland zum Jahreswechsel verzeichnet werden.

Dass die Deutschen zu Silvester ein bisschen mehr zu feiern haben als während der gesamten vorherigen Monate kann am Sektverkauf abgeleitet werden. 18%, also knapp ein Fünftel aller Flaschen werden gekauft, um auf das neue Jahr anzustoßen oder die guten Vorsätze für das neue Jahr zu begießen. 

Infografik Silvester2

Vier von zehn Deutschen nehmen sich vor, sich im kommenden Jahr mehr Zeit für sich selbst einzuräumen. Dieser Wunsch war das am häufigsten genannte Vorhaben für das Jahr 2015, dicht gefolgt vom Vorsatz, an der Figur zu arbeiten (37,8%). Ein Drittel aller Deutschen planten zu reisen und neue Länder zu entdecken. An vierter Stelle stand die Beziehung und der Partner.

30% der Bundesbürger wollten das Jahr 2015 dazu nutzen, die Beziehung zu pflegen oder einen Partner zu finden. Ein viertel wollte die vergangenen zwölf Monate spirituell verbringen und mehr zu sich selbst finden. Die Zeit vor dem Fernseher und im Internet wollten allerdings nur 13,4% beschränken. 18,4% nahmen sich vor, ein neues Hobby auszuprobieren.

Das Feuerwerk darf zu Silvester nicht fehlen

Vielleicht ist der ein oder andere sogar in der Silvesternacht auf den Geschmack gekommen und hat sich als Hobby-Pyrotechniker versucht. Der Umsatz an Feuerwerk und Knallern ist nämlich konstant hoch. Um diese Jahr gebürtig zu begrüßen, hatten die Deutschen im Jahr 2014 124 Millionen Euro für Raketen und Co ausgegeben. Zehn Jahre vorher waren es nur 87 Millionen Euro.

Am beliebtesten waren Batterien, die - einmal gezündet - ein langanhaltendes Spektakel bieten. Jeweils ein Viertel des Feuerwerks stellten Familiensortimente und Raketen dar. Böller und Knaller stellten immerhin 15% des Gesamtvolumens dar. Silvester ohne Feuerwerk ist für die meisten Deutschen kaum vorstellbar. Das farbenfrohe Spektakel am Himmel soll traditionell böse Geister vertreiben und das neue Jahr begrüßen.

Allerdings führt unvorsichtiges Verhalten und jährlich zu unzähligen Verletzungen. Der Jahreswechsel kostete 2014/ 2015 sogar drei Menschen das Leben. Glücklicherweise sind Tote zu Neujahr allerdings die Ausnahme. Viel häufiger sind Verbrennungen und Verstümmelungen der Hände, Verletzungen des Gehörs und teileweise irreparable Schädigungen der Augen.

Silvester 3.1.

Um folgeschwere Konsequenzen der Silvesterparty zu vermeiden, werden einige simple Schutzmaßnahmen empfohlen. Beispielsweise hat sich das Tragen von Schutzbrillen in Skandinavien als sehr nützlich erwiesen. Seit in Dänemark eine Empfehlung zum Tragen von Schutzbrillen verbreitet wurde, ist die Zahl der Verletzen rückläufig. In Norwegen wurde dem Feuerwerk beim Kauf eine Schutzbrille beigelegt. Nun gibt es dort weit weniger Augenverletzungen, was sicherlich auch daran liegt, dass der Verkauf von Raketen seit 2008 verboten ist.

Schäden des Gehörs werden in fast allen Fällen dadurch verursacht, dass die Schallwellen einer Explosion aus nächster Nähe das Innenohr verletzen. Das Tragen eines Gehörschutzes kann diese Druckwellen abdämpfen und somit die Ohren schützen. Auch Handschuhe können kleinere Verletzungen und Verbrennungen verhindern.

Trotzdem sollte unachtsames Verhalten vermieden werden und Knaller sollten in keinem Fall in der Hand explodieren. Trotz Handschuhen können einzelne Finger oder sogar die ganze Hand durch die Detonation abgerissen werden. Die meisten Unfälle passieren unter Alkoholeinfluss. Deshalb sollten sich alkoholisierte Personen nicht am Abschießen von Raketen oder Feuerwerken beteiligen.

Auch ungeprüfte Knallkörper dürfen nicht gezündet werden. Alle Artikel, die nicht das BAM I- oder BAM II-Siegel tragen, sind illegal und nicht nur für die Nutzer selbst, sondern auch für alle Umstehenden höchst gefährlich. Im Allgemeinen ist darauf zu achten, dass ein Sicherheitsabstand von sieben Metern zwischen dem Feuerwerk und den umstehenden Personen eingehalten wird. Außerdem sollten Fenster und Türen geschlossen bleiben, um zu verhindern, dass einzelne Knallkörper versehentlich in geschlossene Räume gelangen.

 Silvester 3